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Spirituelles Indien

Varanasi

Varanasi ist das ultimative Ziel für Suchende nach Spiritualität, Kultur und religiösen Ritualen. Denn die Liste der heiligen Orte in Varanasi, die als spirituelle Hauptstadt Indiens gilt, ist lang. Angefangen von antiken Tempeln, Moscheen, Ghats, also den Stufen zu den Ufern des Ganges, oder Museen, liegt die Stadt am heiligsten aller Flüsse, dem mächtigen Ganges. Die im indischen Bundesstaat Uttar Padresh gelegene Stadt zählt zu den ältesten Städten der Welt. Bekannt als die Stadt von Lord Shiva, dem Gott der Zerstörung, wird im hinduistischen Glauben angenommen, dass jeder der in Varanasi stirbt und bestattet wird, dem endlosen Kreislauf der Reinkarnation entkommt. Schon ein Bad im Ganges soll Hindus von allen Sünden reinwaschen.

Festlich aufbereitet auf einer Trage und in Tücher gehüllt liegt er da - der Leichnam. Hinunter über holprige Klippen, vorbei an der Familie des Verstorbenen wird er zum Ganges getragen. Dort wird er mit dem im Hinduismus heiligen Wassers des Flusses gewaschen. Anschließend kommt er auf den Scheiterhaufen. Die Familie verabschiedet sich ein letztes Mal, bevor, traditionell der erste Sohn, das Feuer endgültig entzündet. Shanti-Gesänge der Trauergemeinde und rhythmisches Glockenläuten begleiten die Zeremonie. An Varanasis Ghats, den Ufern des Ganges, genauer dem „Harishchandra Ghat“ und dem bekannten „Manikarnika Ghat“, geht das Feuer nie aus, denn die Orte sind berühmt als Verbrennungsstätte für tote Hindus. Für viele Gläubige ist es ein tiefer Wunsch, hier beigesetzt zu werden. Doch nur wer auch dort stirbt, darf an dem besonderen Ort bestattet werden. Das lässt unzählige altersschwache und sterbenskranke Pilger in den Gassen der Stadt auf ihren herbeigesehnten Tod warten. Verwitwete Frauen sind an der Verbrennungs- stätte im Normalfall nicht zugelassen. Zu oft sind sie wohl zu ihren verstorbenen Männern auf den Scheiterhaufen gesprungen, um ihnen in den Tod zu folgen, heißt es.

Hindus haben einen anderen Zugang zum Tod, der nicht unbedingt als Leid - sondern sogar als eine Art Erlösung gilt. Es ist ein Wunsch nach der Erlösung vom ewigen Kreislauf der Wiedergeburt. Eine Erlösung von allem Schlechten, das ihnen widerfahren ist und ihnen vielleicht in den nächsten Leben bevorstehen könnte. Es ist die Hoffnung, die sie diese Zeremonie durch- führen lässt. Eine Hoffnung auf das Aufsteigen ins „Moksha“, wie sie das Nirwana nennen. Für diesen Ausweg vom nie endenden Elend sparen manche Hindus ihr ganzes Leben lang, denn eine Bestattung in Varanasi ist nicht gerade günstig. Wer es sich leisten kann, legt Sandelholz mit auf den Scheiterhaufen. Das duftet gut und übertüncht, zumindest ein wenig, den Geruch des verbrennenden Körpers. Hin und wieder ist ein lautes Knaksen aus dem Feuer zu hören, das den Körper längst vereinnahmt hat.

Nach zwei bis vier Stunden ist es vorbei. Der Leichnam des einst so geliebten Menschen ist nun vollkommen zu einem Haufen aus Asche verkommen, die als krönenden Abschluss über den heiligen Ganges verstreut wird.

„Manchmal bleiben Knochen übrig“, erzählt der in Varanasi lebende Mithun, „daraus bastle ich meine Didgerridoos“. Der in der höchsten Kaste, der Brahmanen, geborene Musiker hat sich für ein Leben als Sadhu entschieden. Ein Leben als heiliger Mann, der im Zölibat lebt, mit Verzicht auf alle Bindungen - materiell, familiär, sexuell.

„Viele Jahre war ich in Europa und arbeitete als Abwäscher, dann als Koch. Ich konnte meine Familie gut davon ernähren. Doch meine Frau ließ sich scheiden, und meine eigentliche Heimat war zu weit weg.“

In der Sadhu-typischen in Safran-Tönen gehaltenen Kleidung begleitet er nun Touristen aus aller Welt mit Musik und meditativen, indischen Gesängen auf ihren spirituellen Erfahrungen in der heiligen Stadt. Manchmal geben sie im Geld, wovon er dann Lebensmittel für sich, die unzähligen Straßenhunde und andere, reisende Sadhus kauft.

Denn die heilige Stadt lockt viele Sadhus und die Untergruppe der Naga Sadhus, also der nackten, heiligen Männer. Da sie essen was sie finden oder geschenkt bekommen, sind sie dankbar über die Spenden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Mein Traum war es immer Musiker zu werden“, erzählt Mithun. „Einmal hat mich der Music Chanel MTV besucht, doch der große Durchbruch kam bislang nicht.“

Da wo gläubige Hindus ihre letzte Ruhe im Feuer finden, wird im gleichen Wasser auch Wäsche gewaschen und gebadet. Denn die über 80 Ghats entlang des Ganges in der Stadt Varansi haben viel zu bieten. Hauptsächlich werden sie von den unzähligen Hindus die nach Varanasi pilgern, als Weg zur Badestelle benützt, um sich dann von ihren Sünden reinzuwaschen. Sie nennen das Wasser aus dem Ganges „Amrita“, was soviel heißt wie „Nektar der Unsterblichkeit“.

Trotzdem zählt der Ganges zu den am meisten verschmutzten Gewässern der Welt. Leichenteile, Tierkadavar, Fäkalien, Abfälle - was für die Hindus als heiliges, reinigendes Wasser gilt, ist Risikoherd für Mensch, Tier und Umwelt.

Abwasser von Haushalten, giftige Chemikalien aus Fabriken, Abfall und Bauschutt, alles fließt hinein und macht den Ganges zu einer gesundheitsgefährdenden Angelegenheit.

 

Ganga Aarti

Am Dasaswamedh Ghat, einem der ältesten Ghats, findet jeden Abend das bekannte „Ganga Aaarti“ Spektakel statt.

Eine Gruppe junger Priester entzündet im Uhrzeigersinn Lampen und singt Lieder, die die Flussgöttin Ganga ehren. Das Wort „Aarti“ leitet sich von Sanskrit „Aaratrik“ ab, was soviel wie Anbetung bedeutet. Bei der Ganga Aarti werden die fünf Elemente Luft, Feuer, Wasser, Erde und Äther, auch als Energie zu verstehen, symbolisiert, die die Welt zusammenhalten.

Ganga Aarti, die traditionelle Gebetszeremonie, findet in Varanasi täglich zu Sonnenaufgang und Sonnenuntergang statt. Zum Abschluss entzünden die Zuseher Kerzen und lassen sie am Ganges treiben.

Varanasis heilige Tempel

Hinduistische Gebets-Gesänge der Gläubiger vermischen sich mit dem Duft der Räucherstäbchen zu einer meditativen Atmosphäre. Den bunten Schrein, den Altar, schmücken Priester die Statue der Gottheit liebevoll mit Blumen. Als Ort der Götterverehrung und als Zentrum der religiösen Gemeinschaft gelten die hinduistischen Tempel. Es herrscht reges Treiben. Einen Gottesdienst, wie man ihn vom Christentum kennt, gibt es nicht. Die Menschen suchen Tempel auf, um ihrem Gott Opfergaben wie Blumen oder Reis zu überbringen und im Gegenzug den göttlichen Segen zu erhalten. Zuvor werden natürlich die Schuhe ausgezogen.
Dabei ist jeder Schrein einer anderen Gottheit gewidmet. Denn der Hinduismus gilt als „Viel- götterglaube“, der unterschiedlichste Gottheiten verehrt. Die wohl bekanntesten sind „Brahma“, der Gott der Schöpfung, „Shiva“, der Gott der Zerstörung, und „Vishnu“, der Gott der Erhaltung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vereinzelt findet man sogar Handweber. Das indische Handweben ist berühmt für seinen Fa- cettenreichtum und die Qualität. Indische Handwebearbeiten sind aus der Kultur, bei Festen und Feiern nicht wegzudenken. Die Weber bedienen sich lokalen Mythen, Symbolen und Geschichten, die sie in ihr Werk einweben. Dadurch gewinnt jedes Stück eine einzigartige individuelle Bedeutung, wodurch sich auch Aussagen über die Region und Identität treffen lassen.

Vielfältig und spirituell ist die heiligste Stadt des Hinduismus. Für die einen eine Reise zum Tod, für die anderen eine Reise zu sich selbst. Varanasi besitzt ihre eigene Energie.